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Neapel sehen und sterben

Warum sagt man das eigentlich?

Es ist mein erster Tag in Neapel. Und ich möchte mir einen Überblick verschaffen. In Neapel geht das am Besten von der Festung Castel Sant’Elmo aus. Die hockt direkt über den spanischen Quartieren auf einem Hügel der Stadt. Die Funicolare Centrale verbindet die Einkaufsstraße Via Toledo mit dem Vomero Hügel. Die Seilbahnen Neaples sind bekannt geworden durch das berühmte neapolitanische Volkslied Funicoli‘ Funicola‘. Der Sänger bittet darin seine Angebetete mit der Seilbahn auf den Vesuv zu fahren, um sich dort vom Anblick der Stadt verzaubern zu lassen und ihn zu heiraten …

Heute Fahren die Funicolari nicht mehr auf den Vesuv, prägen aber immer noch das Flair der Stadt. Außerdem sind die Seilbahnen praktisch und schnell. In nur wenigen Minuten gelangt man mit ihnen auf den Vomero-Hügel oder nach Posillipo.

Die Funicolare Centrale mit den Stationen Augusteo (Via Toledo), Corso Vittorio Emanuele II, Petraio und Piazza Fuga fährt alle zehn Minuten zwischen 6:30 Uhr und 22:00 Uhr. An Sonn- und Feiertagen sogar bis 0:30 Uhr.

Auf der Karte habe ich vorher versucht herauszufinden, ob ich besser an der Station Petraio aussteige oder bis zur Endstation Piazza Fuga fahre, konnte mich aber nicht wirklich entscheiden. An der Station frage ich nach und mir wird empfohlen bis zur Endstation zu fahren. Von dort sei der Weg zur Festung gut ausgeschildert.

Beim Verlassen der Station fällt der Unterschied zwischen der Unter- und der Oberstadt sofort ins Auge. Das hier könnte auch Mailand sein. Die Häuser sind mondän, gepflegt. Die Straßen sind sauber. Auf der Piazza stehen Bäume. Hier wohnt die wohlhabendere Mittelschicht Neapels. Höhere Beamte, Professoren, Kaufleute. Von der Armut der Spanischen Quartiere ist man hier weit entfernt.

Neapel sehen und sterben. Castel Sant'Elmo

Der Weg zur Festung schlängelt sich über Treppen hinauf und jetzt habe ich die Orientierung verloren. Sant’Elmo scheint unter den Touristen nicht der Renner zu sein, denn ich bin jetzt ganz allein auf der Straße. Gott sei Dank, dort ist ein Schild. Ich bin wieder auf dem richtigen Weg. Als ich das Tor durchschreite, beginnt es zu regnen. Genau das Richtige für einen Tagesausflug, bei dem es einzig und allein um die schöne Aussicht geht. Aber ich lasse mich nicht abhalten mit eigenen Augen zu sehen, warum manche glauben, sie müssten Neapel sehen und sterben.

Neapel sehen und sterben. Castel Sant'Elmo

Der Vesuv reckt sich über der Stadt in den Himmel. Sein Gipfel ist heute von Wolken verhangen. Mit mir hoffen noch wenige Touristen darauf auf der Festung darauf, dass der Regen aufhört und die Wolkendecke endlich aufreißt, um den Blick über den Golf von Neapel in vollen Zügen genießen zu können.

Neapel sehen und sterben. Castel Sant'Elmo

Eine Ausstellung mit moderner italienischer Kunst, die gerade in der Festung gezeigt wird, bietet eine willkommene Ablenkung vom herbstlichen Wetter. Als ich wieder ins Freie trete, ist die Sonnen tatsächlich hinter den Wolken hervorgekommen. Kein strahlender Sonnenschein wie auf den Postkarten aus Neapel, aber wenigstens hat es aufgehört zu regnen. Da unten liegen der Hafen mit den Kreuzfahrtschiffen und den Fähren nach Capri und Ischia, die Basilica di San Francesco di Paola, besser bekannt als Pantheon von Neapel, und das Castel Nuovo. Eine Bilderbuchaussicht. Aber dafür sterben? Lieber noch einmal die Festung umrunden und hinunter auf den Ortsteil Borgo Santa Lucia schauen. Jenem Ortsteils, der dem Lied Santa Lucia seinen Namen gab und in welchem ein Schiffer zu einem Ausflug in der erfrischend kühlen Abendluft einlädt.

Neapel sehen und sterben. Certosa di San Martino

Doch genug auf die Stadt hinabgeschaut. Jetzt gilt es sie zu entdecken. Ein dunkler Gang an der Seite der Festung führt die Besucher wieder hinunter. Er liegt dunkel und verlassen vor mir, so dass mir beim Abstieg schaudert und das Zitat Neapel sehen und sterben eine ganz neue Bedeutung erhält. Zum Glück kommen mir vom Kloster Certosa di San Martino, das gleich neben der Festung liegt, einige Besucher entgegen und ich verliere meine Angst. Bis ich hinter der nächsten Kurve wieder alleine bin und hinter mit eilige Schritte höre …

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