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EXPO Milano 2015

Feeding the Planet, Energy for Life

 

Mailand interessiert mich. Essen interessiert mich. Und die Zukunft unserer Welt auch. Also mache ich mich im August auf nach Mailand, um die EXPO Milano 2015 zu besuchen. Im Gepäck eine Menge Erwartungen an die Ausstellungen der teilnehmenden Nationen. Wie beantworten sie angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung und des Klimawandels eine der drängendsten Fragen dieser Welt: Wie werden wir uns morgen ernähren? Und wie ernähren wir den Planeten?

Das Messegelänge in Rho-Fierra ist während der EXPO unterteilt in verschiedene Cluster: Reis, Schokolade, wichtig für eine ausgeglichene Work-Life-Balance, Kaffee, Früchte und Hülsenfrüchte, Gewürze, Getreide und Knollen, Inseln, Meer und Nahrung, Bio im Mittelmeerraum, Wüsten. Um diese Stationen gruppiert sind kleine Pavillions aus Holz wie Reihenhäuschen für jene Nationen, die sich nicht leisten konnte, einen eigenen Palast zu bauen.

Deutschland selbst hat sich einen grossen Palast gebaut. Ein schönes Luftschloss, in welchem laut Ankündigung überraschende Lösungen für die Zukunft unserer Ernährung präsentiert werden. Selbst sehen werde ich das nicht, denn schon am Vormittag sind über eine Stunde Wartezeit auf einem Schild an seinem Eingang angeschlagen. Ich wandere also nur über das Dach des Pavillions, auf dem die Bundesländer mit ihrem regionalen Spezialitäten vorgestellt werden. Die Antwort auf die aktuell drängende Frage des eigenen Hungers wird hier mit Thüringer Rostbratwurst beantwortet.

Die Polen haben ihren Pavillion aus Obstkisten gebaut. Äpfel sind ein Exportschlager der polnischen Landwirtschaft. Wahrscheinlich kann ich diese in Berlin bei REWE als Produkte aus der Region kaufen. Bei den US-Amerikanern erklärt mir Obama, dass die USA die Führungsrolle bei der Lösung aller Probleme inne haben. Auf der Dachterrasse schenken sie Sprite aus oder 7Up. Ja, das ist sicher die Lösung für den Wassermangel in mancher der ärmsten Regionen dieser Welt. Im französischen Pavillion hängen Pfanne und Töpfe von der Decke und in einer Halle kann ich Tiefkühlkost in Tiefkühltruhen bestaunen. Wie viel Energie diese wohl so am Tag in diesem heißen August fressen? Die Russen schenken homöopathischen Dosen ihrer heimischen Softdrinks an einer futuristischen Theke kostenlos aus. Entsprechend groß ist das Gedränge und ich gebe auf.

Im niederländischen Pavillion werde ich zum ersten Mal aufmerksam auf eine kleine Aktion, mit der ich wirklich helfen kann. Sie verkaufen leere Wasserfalschen, welche man an den Wasserstationen auf der EXPO kostenlos auffüllen kann. Mit dem Kauf einer solchen Wasserflasche spende ich eine Füllung Wasser an eine Region, der es an Wasser mangelt. Die Schweizer Türme würde ich gerne sehen. Vier an der Zahl. Jeder gefüllt mit einem anderen Nahrungs- oder Genussmittel: Wasser, Apfelringe, Kaffee, Schokolade. Jeder Besucher kann sich so viel davon nehmen, wie er tragen kann. Allerdings werden die Türme im Verlauf der EXPO nicht wieder aufgefüllt. Der Besucher soll lernen, dass unser heutiger Umgang mit Ressourcen bestimmt, wie viel davon für nachfolgende Generationen übrig bleibt. Thema erfasst. Allerdings sind bereits alle Besucherkarten für diesen Tag bereits vergeben. Am Kopf des Geländes stoße ich auf die Ausstellung der Slow Food Bewegung. Hier stecke ich meine Nase oder meine Hände in kleine Holzboxen, um herauszufinden, was sich darin befindet. Und ich bin gut darin mit einer Trefferquote von zwei aus drei richtigen Tipps.

Auf dem Rückweg schaue ich noch bei Spanien und Marokko vorbei. Schön. Dann stelle ich mich bei Israel an. Eine halbe Stunde Wartezeit kann ich jetzt gebrauchen. Die Füße brennen bereits. Ein junger Moderator ruft im Warm-Up seine Schwester in Israel an. Eine nette multimediale Spielerei mit Szenenapplaus. Seine Schwester wird uns später durch die Ausstellung führen. Im ersten Raum erfahre ich, wie alles begann mit den Großeltern, die in ein unwirtliches Land kamen mit salzhaltigen Böden und dann einen Sohn hatten, der wusste, wie man trotzdem auf diesem Land erfolgreich Landwirtschaft betreibt. Dann erfanden sie die kleinen leckeren Cherrytomaten. Und dann wurden sie zu einem der größten Exporteure von landwirtschaftlichen Produkten auf der Welt. Wie viele dieser Exporte auf dem Siedlungsland in den palästinensischen Gebieten angebaut wird, hat mir leider niemand erzählt. Aber die Show war beeindruckend.

Am Ende meiner Eintagesreise um die Welt stelle ich fest, dass diese EXPO Milano 2015 meine Fragen an die Zukunft unseres Planeten nicht wirklich beantworten kann. Für einige Nationen war Dabeisein schon alles und andere wollten Wettbewerb einfach nur gewinnen. Ein Miteinander oder Füreinander der Teilnehmer habe ich vermisst, dabei ist die Rettung der Welt keine Einzel- sondern eine Teamsportart…

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