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City Night Line

Mit der City Night Line von Zürich nach Berlin

Deutsche Bahn, City Night Line, Sleeperette

Seit einem halben Jahr pendle ich nun schon zwischen Berlin und Zürich oder, besser gesagt, zwischen Zürich und Berlin. Denn seit März ist Zürich mein Hauptwohnsitz und Berlin nur ein Ort, an dem ich mehr als nur noch einen Koffer habe.

Normalerweise nehme ich den Flieger von Zürich Kloten nach Berlin Tegel, aber dieses Mal wollte ich ein Gefühl für die vielen Kilometer entwickeln, die zwischen meinem neuen Wohnort und meiner Heimat liegen. Ein Auto besitze ich nicht, der Fernbus erschien mir doch zu unbequem, also entschied ich mich für den Zug.

Will man nicht umsteigen, so gibt es eigentlich nur die City Night Line, welche kurz vor acht Uhr am Abend vom Hauptbahnhof Zürich abfährt und nach guten zwölf Stunden Fahrt in Berlin eintrifft. Bucht man rechtzeitig kann man zwischen Schlaf-, Liege- oder Sitzwagen wählen, dann sogar noch einen Platz in einem 4er- oder 6er-Abteil reservieren und mit großem Glück noch ein Abteil nur für Männer oder Frauen buchen. Ich habe spät gebucht und konnte froh sein, noch eine Sleeperette im Sitzwagen zu ergattern. Allerdings lag der Preis mit 111,- CHF für die Hin- und 73,- CHF für die Rückfahrt weit unter dem Preis der dann noch verfügbaren Flüge.

Die Reisezeit entspricht also einem Langstreckenflug und darauf sollte man sich einrichten. Zwar erhält man in der City Night Line eine Decke, wenn man danach fragt, aber man möchte sich damit nicht wirklich zudecken. Ganz ohne Decke kann es einem aber im klimatisierten Großraumabteil sehr schnell sehr kalt werden. Ich habe mich darum an meine langen Busreisen als Studentin erinnert und mir ein Laken eingesteckt. Ein Bettbezug, in den man wie in einen Schlafsack hineinschlüpft, tut es auch, ist aber, sitzt man in der Mitte, recht hinderlich, wenn man mal kurz aufstehen und den Sitznachbarn durchlassen muss. Dazu kleine Snacks und Getränke und warme Socken. Wertsachen gehören in die Handtasche unter den eigenen Sitz, wenn man die Reisetasche oder den Koffer in der Gepäckablage in der Mitte des Wagens verstaut. Ein aufblasbares Nackenkissen bewahrt einen vor Rückschmerzen und eine Schlafmaske ist ebenso empfehlenswert, da während der ganzen Fahrt eine Notbeleuchtung eingeschaltet bleibt. Ich habe schwer bereut nicht an Ohropax gedacht zu haben, denn mindestens ein Mitreisender kann mit seinem Schnarchen ganze Wälder abholzen.

Die Wagen selbst sind aus dem letzten Jahrhundert. Und auch wenn das bereits das zwanzigste war, ist der Komfort gering. Die Polster auf den Sitzen sind verbraucht, alles wirkt ein wenig grau und trist. Steckdosen gibt es nur auf den beiden Toiletten, bzw. Badräumen, die sich am Ende des Wagens befinden. Wer also am Ende der Reise noch Akku auf seinem Handy haben will, lässt es in der Tasche und liest ein gutes Buch oder die Zeitung. Viel Zeit blieb dafür auf der Rückreise nach Zürich sowieso nicht, denn der Zug starte nach zehn Uhr in Berlin und um ein Uhr nachts wurde das große Licht ausgeschaltet. Dann klappt man am besten seine Rückenlehne herunter und versucht zu schlafen. Wenn einem das nämlich gelingt, dann kommt recht ausgeschlafen ans Ziel. Wer dazu noch einen Kaffee braucht, kann ihn direkt am Platz kaufen, denn ab sechs Uhr morgens serviert ihn das Zugpersonal direkt ab Platz.

Mein Fazit: Ich würde den Zug als Alternative jederzeit wieder nehmen. Vielleicht beim nächsten Mal aber mindestens einen Platz im Liegewagen reservieren, da die Sleeperette zwar grundsätzlich in Ordnung geht, aber die Füße am Ende der Reise doch recht schwer geworden sind, Dennoch war ich nach dieser Fahrt fit genug nach einem kleinen Frühstück in Berlin ins Auto zu steigen und weiter an die Ostsee zu fahren. Immerhin noch einmal etwas mehr als zwei Stunden vollste Konzentration bei 160 km/h Reisegeschwindigkeit. Für Fahrradwanderer ist die City Night Line sowieso die einzige Möglichkeit den eigenen Drahtesel kostengünstig zu transportieren.

 

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