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Berlin Top 10

Als Tourist in Berlin

Freunde, die Berlin nicht zum ersten Mal besuchen und nur wenig Zeit mitbringen, fragen mich oft, welche Ort sie besuchen sollen, die in keinem Reiseführer zu finden sind. Darum hier meine Top 10 für einen Tag als Tourist in Berlin.

#10 Türkische Frühstückshäuser

Türkisches Frühstück - Kayseri Tavasi

Berlin ist eine Stadt, in der Frühstück nicht mehr unbedingt früh meint. Die meisten Cafés bieten Frühstück bis um drei, vier Uhr nachmittags an. Im Schwarzen Café in der Kantstraße bekommt sogar rund um die Uhr ein Frühstück. Doch der neueste Trend, zumindest in Kreuzberg oder Neukölln, ist in eines der türkischen Frühstückshäuser einzukehren, um dort sein Kahvaltı (Frühstück) zu essen.

Mein Stammcafé, Vadis Frühstückshaus, liegt auf der Karl-Marx-Straße in Neukölln und serviert vorwiegend Rührei mit Gemüse und/oder Sucuk, der türkischen Knoblauchwurst. Passend wäre dazu ein Glas türkischen Tee zu trinken. Ich aber nehme gerne auch einen Cappuccino dazu.

#9 Linie 1 & Co.

U7 Wilmersdorfer Straße

Das Berliner U-Bahn-Netz ist das größte, und auch das älteste in Deutschland. Und es besteht eigentlich aus zwei verschiedenen Netzwerken – dem Netzwerk der Kleinprofil-Bahnen (U1, U2, U3, U4) und dem der Großprofil-Bahnen (U5, U6, U7, U8, U9).

Die mit dem Musical Linie 1 berühmt gewordene Linie 1, die noch in den achtziger Jahren von Spandau zum Schlesischen Tor fuhr, und auf ihrem Weg einen repräsentativen Querschnitt der damaligen Berliner Bevölkerung von A nach B transportierte, gibt es nicht mehr. Die U1 fährt heute vom Schlesischen Tor nach Krumme Lanke und kreuzt dabei am Gleisdreieck, Nollendorf– und Wittenbergplatz die U2, welche von Pankow kommend heute bis nach Spandau fährt. Möchte man sich als Tourist in Berlin also noch einmal auf die Spuren des in dem Musical beschriebenen Westberlin begeben, dann muss man am Wittenbergplatz von der U1 in die U2 umsteigen. Oder man besucht einfach eine Aufführung des Musicals Linie 1 im Grips in der Nähe der U-Bahnstation Hansaplatz (U9).

Beide Linien, also die U1 und die U2, sind die ältesten U-Bahnlinien Berlins und fahren weite Strecken als Hochbahn durch die Stadtbezirke Kreuzberg und Prenzlauer Berg. Und dabei erhält man durchaus einen Eindruck von der Atmosphäre der Stadt in ihren goldenen 20er Jahren, denn beide Strecken werden gesäumt von prachtvollen Altbauten. Und dabei durchfahren die Bahnen wunderschön restaurierte Bahnhöfe aus der Gründerzeit wie z.B. Schlesisches Tor (U1), Gleisdreieck (U1, U2) oder Eberswalder Straße (U2). Die U1 endet nicht mehr am Schlesischen Tor, sondern fährt weiter zum U-Bahnhof Warschauer Straße und überquert zwischen beiden Bahnhöfen die Oberbaumbrücke und bietet dabei einen spektakulären Ausblick über die Spree bis zum Alexanderplatz mit dem Fernsehturm.

#8 Parks – die grünen Lungen von Berlin

Treptower Park

Auch als Tourist in Berlin braucht man hin und wieder eine kleine Pause. Und nirgendwo entspannt sich der Berliner besser als in einem der vielen Volksparks. Und egal in welchem Teil der Stadt man gerade unterwegs ist, der nächste Park ist nur ein paar Schritte entfernt.

Und jeder dieser Parks hat seinen sehr eigenen Charakter. Im Mauerpark zwischen Prenzlauer Berg und Wedding ist es am Wochenende schwer ein ruhiges Plätzchen zu finden, wenn die Massen auf den Flohmarkt nebenan strömen oder sich beim Open-Air-Karaoke ums Mikrofon drängeln. Im Görlitzer Park im Kreuzberger SO36 geht es gemächlicher, aber nicht weniger hipp zu. Zwischen den hippen Hipstern versammeln sich türkische Familien um den Grill und haben meist eine komplette Wohnungseinrichtung dabei. Im Volkspark Friedrichshain erholen sich Loha-Familien aus dem Prenzlauer Berg und in der Hasenheide laden die großen Wiesen zum Fuß- oder Federball ein.

Die große Attraktion ist aber zur Zeit die Tempelhofer Freiheit auf dem ehemalige Flugfeld des Tempelhofer Flighafens. Hier findet noch jedes Tierchen sein Pläsierchen, egal ob man zum Grillen, Urban Gardening, Joggen oder Skaten in den Park kommt. Durch seine schiere Größe bietet das Tempelhofer Feld allen genug Platz für die Selbstentfaltung.

Bis auf die Tempelhofer Freiheit kennen Berliner Parks keine Schließzeiten und so ist man in einigen Parks in den Sommermonaten auch nie alleine. Der eine oder andere Jet-Set-Tourist in Berlin spart sich hier einfach das Hotelzimmer und nächtigt im Schlafsack im Park, bzw. gönnt sich dort ein Nickerchen, bevor die nächste Party in einem der vielen Clubs startet. Empfehlenswerte Alternative zum Hostel? Nicht wirklich, denn man weiß nie, wer da über einen stolpert …

#7 Mahlzeit

Kantine, heute Partybouletten und Schmorgurken

Als Tourist in Berlin kann man kulinarisch einmal um die Welt reisen. Italienisch, Griechisch, Chinesisch, Vietnamesisch, Koreanisch, Brasilianisch, Sudanesisch … Es gibt in Kreuzberg sogar kanadische Pizza. Alle haben die Spezialitäten ihrer Heimat mitgebracht. Nur wer einmal typisch Berliner Küche probieren möchte, der muss lange suchen.

Für dieses Experiment empfehlen sich die Kantinen der Stadt. Hier gibt es Senfeier, Königsberger Klopse, Schmorgurken, Hackbraten oder Linsensuppe mit Essig & Zucker. Fast alle Rathäuser in Berlin haben eine Kantine. Die beste Kantine der Stadt ist wohl das Casino Kreuzberg im Rathaus an der Yorckstraße.

# 6 Schönheit, Wissen & Skurriles

Kronleuchter im Nering-/ Eosanderbau

Dass die erste Gutenberg-Bibel auf Hanfpapier gedruckt wurde, erfährt man im Berliner Hanfmuseum. René Koch war einst Chefvisagist von Yves Saint Laurent und führt heute die Besucher durch sein Lippenstiftmuseum mit original Lippenstiften von Hildegard Knef oder Evita Peron und gibt dabei noch einige Geheimnisse zum Schminken preis. Und auch die Currywurst hat ihr eigenes Museum in Berlin.

Empfehlenswert unter den kleinen Museen in Berlin ist allerdings das Werkbundarchiv – Museum der Dinge. Die Ausstellung zeigt Design-Klassiker wie den Panton Chair, den Plattenspieler „SK 61“ der Firma Braun oder die Frankfurter Küche, aber auch Skurriles wie Turnschuhe mit Obama-Portrait oder eine Spielzeug-Ente, die man würgen soll.

Ein anderes Museum kämpft gerade ums Überleben. Das Schwule Museum ist weltweit eines der größten und bedeutendsten Institutionen für die Archivierung, Erforschung und Vermittlung der Geschichte und Kultur der LGBTIQ-Communities und kann durch eine ehrenamtliche Mitarbeit oder Spenden unterstützt werden.

#5 Wöchentliches Marktgeschrei

Stoffrollen

256 Wochenmärkte gibt es in Berlin. Gemüse, Obst, Fleisch, Brot, Fisch, Käse. Konventionell oder öko. Man könnte, wenn man wollte in Berlin jeden Tag frisch und unter freiem Himmel einkaufen. Zu den ältesten und bekanntesten Wochenmärkten der Stadt gehören wohl der Markt auf dem Winterfeldtplatz, gediegen, bürgerlich, und der Markt am Maybachufer, bunt, alternativ.

Angebot und Preise variieren stark. Es kommt immer darauf an, wer in der Nachbarschaft zum Markt wohnt. Ein Schälchen griechischer Oliven im Prenzlauer Berg kostet dann fast so viel wie ein halbes Kilo türkischer Oliven auf den Märkten in Kreuzberg oder Neukölln. Das Eine gilt eben als Feinkost, das Andere als Ware des täglichen Bedarfs. Aber immer locken neben den Oliven große Schalen mit allerlei Pasten, die von den Händlern gerne zum Verkosten über die Theke gereicht werden. Und man sollte sich diese Leckerei nicht entgehen lassen, sich dann für zwei oder drei Geschmacksrichtungen entscheiden und diese zusammen mit einem Fladenbrot im nahe gelegenen Park oder auf einer der vielen Brücken der Stadt zum Sonnenuntergang genießen. Aber soweit sind wir noch nicht, denn wo ein Park ist, ist auch ein Café nicht weit …

#4 Kaffee und Kuchen

Apfeltarte & Cappuccino

Ein Café, was etwas auf sich hält, bäckt selbst. Und so genießt Berlin gerne zum Tässchen süß & heiß ein süßes Teilchen und wählt dabei zwischen klassischem Mamorkuchen, Obst mit Streusel, Cupcakes oder Devil’s Food Cake.

Im Bierhimmel in der Oranienstraße, wo die Torten schon einmal Ingrid heißen, drängeln sich an den Wochenenden die Schlemmer an den Tischen. Wer hier keinen Platz mehr bekommt, schaut im Kuchenkaiser am Oranienplatz vorbei. Oder zieht gleich ins Barcomi’s auf der Bergmannstraße weiter. Immer noch ein Geheimtipp und das einzige Café mit schwedischen Leckereien ist das Café Valentin in der Neuköllner Sanderstraße.

#3 Gepflegt absacken

Möbel Olfe

Die Tage der Berliner Eckkneipe sind gezählt. Gentrifizierung und die damit einhergehenden steigenden Mieten verdrängen erst die Kunden und dann ihre Kneipen. War die Berliner Eckkneipe einst ein Treffpunkt für die gesamte Nachbarschaft auf ein Kühles Blondes oder ’ne Molle mit Korn, so sitzen heute in manchen Kiezen nur noch wenige am Tresen und das dann oft schon seit Stunden. Aus manchen Ecken der Stadt ist diese Institution des Berliner Nachtlebens bereits ganz verschwunden. Dennoch muss man als Tourist in Berlin nicht verzagen, denn auch unter ihren Nachfolgern finden sich Orte, an denen man gepflegt nicht nur ein Bier trinken kann. Manchmal sitzt man sogar noch am alten Tresen. Nur dass jetzt aus dem Hahn nicht mehr Kindl oder Charlottenburger gezapft wird, sondern Selbstgebrautes oder das Produkt einer lokalen Craft Bier Brauerei.

Ein Methusalem unter den Berliner Eckkneipen ist das Yorckschlösschen in Kreuzberg 61. Weltbekannt unter den Freunden von Jazz und Blues und mehr als 100 Jahre alt. Eine moderne Variante der Berliner Eckkneipe ist das Möbel Olfe am Kottbusser Tor. Das Personal dieser Stehbierhalle ist queer, der Großteil der Kundschaft vor dem Tresen auch. DDR-Nostalgie pur und eines der wenigen Relikte aus der Zeit kurz nach der Wende ist Die Tagung in der Wühlischstraße im Friedrichshain, die vollgestopft ist mit Memorabilia aus einem untergegangenen Land.

#2 Shut up and dance!

Neukölln, Second Hand

Der junge Durchschnitts-Tourist in Berlin denkt bei Tanzen meist ans Berghain und seine Panorama Bar. Zu Recht, denn das Berghain ist unbestritten der beste Techno-Club in Berlin. Und Berlin ist Techno. Aber nicht nur. Berlin ist auch Hip Hop, Pop, Alternative, Punk oder Ballroom. Ja, richtig gelesen Ballroom.

Das Café Fatal am Sonntag im SO36, dem gefühlt ältesten Club der Stadt, wohl die gefühlt älteste Partyreihe in Berlin. Queer as queer can schwofen hier Schwule, Lesben, Trans* und Heten am Sonntagabend seit mehr als 19 Jahren zu Ich war noch niemals in New York, Er gehört zu mir wie der Name an der Tür oder Theo, wir fahr’n nach Lodz im Walzer- oder Foxtrottschritt übers Parkett. Ist der Abend weit genug fortgeschritten, dann tanzen Boots und Stilettos  gemeinsam den Sirtaki. Doch Vorsicht, das kann hin und wieder auch zu Verletzungen führen. Wer Swing, Tango, Cha Cha & Co. liebt, der wird Clärchens Ballhaus in Mitte lieben. Das Clärchens ist das älteste Tanzlokal Berlins und das einzige, in dem man noch per Tischtelefon flirten kann. Sowohl das SO36 als auch Clärchens Ballhaus bieten Tanzkurse an, damit man dann nach einem erfolgreichen Flirtversuch auf der Tanzfläche eine gute Figur macht.

#1 Guten Morgen Berlin

Als ich noch im Friedrichshain wohnte, die Party noch in Mitte stieg und ich noch ein Auto besaß, da stockte mir regelmäßig der Atmen, wenn nach einer langen Nacht über der Frankfurter Allee die Sonne aufging. Das war der Moment, in dem ich wusste, warum ich nie aus Berlin wegziehen würde …

Als es noch das Ostgut gab, mit er ersten Panorama Bar, ich noch dort am Donnerstag in Chantals House of Shame die Nächte durchtanzte und hinter den Fenstern in den S-Bahnen die Menschen auf dem Weg zur Arbeit beobachtete, da stockte mir regelmäßig der Atmen, wenn nach einer langen Nacht über der Warschauer Brücke die Sonne aufging. Das war der Moment, in dem ich wusste, warum ich nie aus Berlin wegziehen würde …

Als ich an einem kalten Wintermorgen aus dem 99 Rote Rosen kommend die Oranienstraße hinunterlief und mich die tief stehende Sonne blendete, da stockte mir regelmäßig der Atmen, wenn nach einer langen Nacht über der Oranienstraße die Sonne aufging. Das war der Moment, in dem ich wusste, warum ich nie aus Berlin wegziehen würde …

Manchmal ist Berlin zu schön, um wahr zu sein. Und manchmal muss man früh aufstehen oder noch wach sein, um das zu erkennen …

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