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#Aufschrei

Ein grimmiger Aufschrei zum Status Quo

Fight Sexism! Klang vor einem Jahr in Deutschland noch sehr Old School. Selbst jene, die als Neofeministinnen hin und wieder in den Medien auftauchten, scheuten die deutliche Konfrontation mit dem Mainstream. En vogue war der Kuschelfeminismus, der keinem, vor allem Männern, nicht weh tun sollte. Definitiv out waren Alice und ihre Emma

Doch dann fielen Weihnachten, Ostern und der Untergang der (Macho)Welt plötzlich auf einen Tag. Die Journalistin Annett Meiritz berichtete im Spiegel über den Sexismus in der Piratenpartei. Die Journalistin Laura Himmelreich beschrieb im Stern den Herrenwitz eines Brüderle. Und auf Twitter fanden Frauen einen Hashtag, unter dem sie ihre Erlebnisse mit Alltagssexismus sammelten.

Die Debatte über Sexismus in Deutschland war ausgelöst. Das Unaussprechliche wurde in 60.000 Tweets in zwei Wochen ausgesprochen. Und noch heute läuft die Diskussion unter dem Hashtag #Aufschrei weiter. Die Einen empfanden den Aufschrei als Befreiung, als Initialzündung für ihr eigenes Berichten, andere wiederum empfanden diese Berichte über das tägliche Erleben von Menschen in unserer Gesellschaft als Angriff. Jene, die berichteten, sahen sich schnell Anfeindungen ausgesetzt: Übertreibung, Einzelfall, ihr Problem … Männerhasser_Innen, Gendernazis, unzufrieden, sowieso frigide Lustfeind_Innen, die sowieso kein Mann mit der Kneifzange bla bla bla … Na klar, Frauen, die keinen Bock haben, dass von Chefs, Kollegen oder komplett Fremden ihr Körper lauthals beurteilt wird, müssen irgendwie blöd, frigide oder lustfeindlich sein. Flirten verboten! Männer, die diesen Frauen an die Seite springen, weil sie die machoiden Männerbilder unserer Gesellschaft satt haben, sind klar Schwuchteln, Weicheier oder Warmduscher. Auf keinen Fall sind sie Männer. Zwischen Nord- und Südpol existiert ja auch nichts oder? Nur Schwarz oder Weiß. Nur Oben oder Unten. Wer fickt wen? Das ist die alles entscheidende Frage. Mädchen kommen mit einem Gen für Rosa, Wendy-Heftchen und Barbie auf die Welt. Jungen besitzen kein Gen für Tränen, Gefühle und Fürsorge. Darum gehören die Einen zum schwachen und die Anderen zum starken Geschlecht. Herrsche und teile auf keinen Fall!

Aber mit Sexismus hat das rein gar nichts zu tun. Oder doch? Ja, natürlich doch. Das ist Sexismus. Das ist unsere Kultur, in der wir aufwachsen und unsere Rolle in dieser Gesellschaft lernen. Ja, Mädchen entscheiden sich in der Mehrheit für die unterbezahlten Berufe. Doch warum? Und warum werden die Angestellten in diesen Berufen so schlecht bezahlt? Und nein, der Unterschied ergibt sich nicht allein aus der Tatsache, dass Frauen meist halbtags, wenn sie arbeiten, arbeiten. Der Gender Gap lässt sich aus dem Lohn pro gearbeiteter Stunde herleiten. Und er beträgt 20 Prozent! Und nein, die Männer sind nicht an allem Schuld. Wir alle gestalten die Gesellschaft, in der wir leben. Männer und Frauen.

Wir alle tragen die Verantwortung dafür, wie unsere Gesellschaft morgen aussieht. Wir alle sind Role Models. Wenn wir die Gesellschaft zu einer gerechteren gestalten wollen, dann müssen wir beginnen unser eigenes Handeln zu hinterfragen. Und vielleicht wachsen bei den richtigen Antworten auf diese Fragen Jungen und Mädchen heran, die sich nicht mehr ein- oder beschränkt fühlen, sondern frei dafür zu sein, wer sie wirklich sind …

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